ErzieherIn, PädagogIn, KindergärtnerIn – viele Bezeichnungen für eine Tätigkeit

ErzieherIn, PädagogIn, KindergärtnerIn – viele Bezeichnungen für eine Tätigkeit

Die Erwartungen der Eltern

Täglich begleiten eine Vielzahl von Menschen Kinder im Alter von wenigen Monaten bis zur Einschulung im Kindergarten. Eltern, die einer Tätigkeit nachgehen, sind in der Regel auf diese Betreuung angewiesen. Sie bringen am Morgen ihr Kind in die Kita und bestenfalls können sie mit einem sicheren Gefühl ihrer Arbeit nachgehen, wenn sie ihr Kind gut aufgehoben wissen.

Eltern tragen eine Erwartung in sich, denn ihrem Kind soll es gut gehen, es soll Spaß haben und mit anderen Kindern spielen. Einige wünschen sich, dass es etwas bestimmtes lernen soll. Fragt man Eltern, was das Kind in der Kita lernen soll, ist eine beliebte Antwort: es soll „soziale Kontakte“ erfahren und sich in der Gruppe zurechtfinden lernen.

Im Kindergarten ist es eins von mehreren Kindern. Abhängig von der Gruppengröße, mal eins von 5, mal eins von 20. Neben der Gruppensozialisation, ist es ebenso wichtig, dass das Kind auch als Individuum gesehen wird. Die ErzieherIn oder PädagogIn sollte es gut kennen und auf die einzelnen Bedürfnisse eingehen.

Hat es Angst vor lauten Geräuschen? Benötigt es Unterstützung beim Schuhe anziehen? Greift es sich ans Ohr, wenn es müde ist? Braucht es zum Einschlafen ein bestimmtes Ritual? Wird es mit seinen Gefühlen gesehen und werden diese auch ähnlich wie zuhause beantwortet?

Eltern brauchen Sicherheit

Eltern benötigen das Gefühl und die Sicherheit, ihr Kind in liebevollen und durch Vertrauen geprägten Händen zu wissen. Besonders kleine Kinder können nur in geringem Maß erzählen, was sie erlebt haben. So sind Eltern auf die Transparenz der pädagogischen Fachkräfte angewiesen.

Transparenz erfahren

Eltern sehen häufig nur den Gemütszustand ihres Kindes beim Bringen und Holen, erfragen wie es gegessen oder geschlafen hat. Eventuell werfen sie einen Blick in die Brotdose und begutachten Flecken auf der Kleidung oder kleine Kratzer genau. Sie gelten als Rückschlüsse auf den Tag, an manchen Tagen das einzige was bleibt. Bestenfalls erfahren sie in den sogenannten Tür- und Angelgesprächen bei der Übergabe Details.  Eltern geben ihr Kind zum Teil für viele Stunden am Tag in andere pädagogische Hände und möchten teilhaben, an dem was ihr Kind erlebt hat. Ihr Interesse ist in der Regel sehr groß und sie sind auf eine enge Zusammenarbeit angewiesen. Sie möchten Teil des Tages sein.

Ohne Eltern geht es nicht!

Im Studium und der Ausbildung wird viel Zeit für Module wie „Zusammenarbeit mit Eltern“ eingeräumt. Zu Beginn fragt man sich vielleicht, warum beschäftigen wir uns denn damit? Sollte es nicht um die Kinder gehen, um deren Entwicklungspsychologie und deren Bedürfnisse? Und das sollte es natürlich, ABER im Zusammensein mit Kindern wird schnell klar, ohne Eltern geht es nicht und ja, die Eltern sind und bleiben die Experten. PädagogInnen begleiten und bereichern die Beziehung und das Aufwachsen der Kinder und Familien im Maße ihrer Profession.

Die Rolle der pädagogischen Fachkräfte: ErziehrIn, PädagogIn, KindergärtnerIn

Tatsächlich haben auch sie es nicht leicht, in dieser Dreh- und Angelsituation ihrer Rolle gerecht zu werden. Immer wieder hören und lesen wir von dem unterbezahlten und anspruchsvollen Job der ErzieherIn. Von außen betrachtet könnte man meinen, sie müssen doch „nur“ den genannten Anforderungen und Erwartungen der Eltern, welche sich in einigen Einrichtungen gern auch als Kunden sehen, gerecht werden.

Quasi salopp formuliert, Kind am Morgen entgegen nehmen, singen, spielen, schlichten, Wickeln oder auf die Toilette begleiten, Essen und Trinken bereit stellen, schlafen legen und wieder spielen. Und naja, klischeebesetzt bleibt dann noch Zeit für ein Schwätzchen und ein Café am Rand des Buddelkastens mit der Lieblingskollegin. (Wer sein Klischee bedienen will, findet dies sicher überall. Gern möchte ich aber zum Blick über den Tellerrand einladen!)

Ja, so könnte es sein! Klingt auch echt nett, wenn da nicht die vielen Stolpersteine sind, die den Raum zum „Sein“ und spielen, entdecken und tüfteln mit Ruhe erschweren.

Was macht die pädagogische Fachkraft sonst so?

Nun haben wir viel davon gehört, was verständlicherweise Eltern brauchen und erwarten. Aber was macht eine pädagogische Fachkraft (ErziehrIn, PädagogIn, KindergärtnerIn) den ganzen Tag? Wer sich das schon mal gefragt hat, findet nun hier eine kleine Auflistung. Auch als Fachkraft tut es immer mal wieder gut, sich das vor Augen zu führen und der Vielzahl der Aufgaben mit Achtsamkeit zu begegnen.

Meist ist es mehr als begründet, wenn sie am Ende des Tages auf dem Sofa vor den Kindern einschlafen und bereits leisesten Geräusch zusammen zu zucken. Zum Teil völlig erschöpft, überreizt und bestenfalls dennoch beseelt und zufrieden. Ich denke, vielen PädagogInnen, die ihren Job mit Herz und Seele machen, fühlen so.

Auch für Eltern kann es eine Aufforderung sein, mal hinter die Kulissen der Tätigkeit einer ErzieherIn zu blicken. Jedes Kind und jede Familie ist definitiv individuell und ist es wert auch als solche betrachtet zu werden. Leider machen es die vielseitigen Aufgabenfelder, Anforderungen und teilweisen gruseligen Rahmenbedingungen nicht leicht, diesen Situationen mit Ruhe und Zeit zu begegnen. Ich trage den Wunsch, dass sich die Fachkraft, das Kind und die Eltern mit gegenseitigem Verständnis und Wertschätzung begegnen, um Hand in Hand in eine Richtung zu blicken.

Die Aufgaben der pädagogischen Fachkraft

ZIEL DER TÄTIGKEIT

In den Kindertageseinrichtungen beinhaltet der Auftrag die Ergänzung und Unterstützung der PädagogInnen in der Erziehung des Kindes in der Familie durch eine alters- und entwicklungsgemäße Förderung. Die Förderung umfasst die Bildung, Erziehung und Betreuung des Kindes. Er beinhaltet einen würdigen Umgang mit den Kindern und die Umsetzung des Rechtes jedes Kindes auf Förderung seiner Entwicklung sowie auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit. Im Mittelpunkt steht das Kind mit all seinen Bedürfnissen, Besonderheiten und Fähigkeiten. Sie achten die Persönlichkeit eines jeden Kindes und sehen es mit seinen Stärken, mit seinen Talenten und Interessen.

PÄDAGOGISCHE AUFGABEN

Im Folgenden werden einige aufgeführt, die natürlich je nach Träger, Konzeption und Rahmenbedingungen voneinander abweichen.

  • Betreuung, Erziehung und Bildung der Kinder durch die Umsetzung der Kindergarten-Konzeption
  • Planung, Durchführung und Reflexion der pädagogischen Arbeit
  • Förderung der Kinder bei der Selbstständigkeit, eigenständigen Meinungsbildung und –äußerung, Konfliktfähigkeit und Werteerziehung
  • Behutsame und professionelle Eingewöhnung der Kinder
  • Verantwortungsvolle und selbstständige Ausübung der Aufsichtspflicht in und außerhalb der Räume
  • Planung und Durchführung von Angeboten am Vor- und Nachmittag gemäß der Bildungsbereiche des
  • Planung von Ausflügen
  • Konsequente Herstellung einer vorbereiteten Spielumgebung für die Kinder
  • Verantwortung für Gestaltung und Atmosphäre der Kita-Räume
  • Auswahl und Bereitstellung von Materialien entsprechend der Ziele, den Interessen der Kinder und des aktuellen Themas der Woche, Jahreszeit
  • Beobachtung des einzelnen Kindes im Hinblick auf die individuelle Situation und den Entwicklungsstand sowie Beobachtung der Kindergruppe
  • ggf. Anfertigung von Fotos und Videos der Kinder und Kindergruppe
  • Vorbereitung und Durchführung der Entwicklungsgespräche, Elterngespräche
  • Dokumentation der Entwicklung der Kinder (z.B. Portfolio, Sprachlerntagebuch, „Das kann ich schon“)
  • Anfertigung der Kunstmappen und regelmäßiges Einsortieren der Kinderbilder
  • Gezielte Förderung aufgrund der Beobachtungen
  • Begleitung der Kinder bei Aktivitäten und beim Spiel
  • Anregung der Kinder zu einer aktiven und selbstständigen Freispielgestaltung
  • Kommunikation mit den Kindern anregen, Förderung der verschiedenen Sprachen
  • Planung, Vorbereitung und/ oder Durchführung der Zubereitung der Mahlzeiten mit den Kindern
  • Planung, Förderung und Mitgestaltung von Projekten, Festen und Feiern (Förderung der kulturellen Vielfalt)
  • Planung und Durchführung der Geburtstagskreise (Krone, Geschenk)
  • Reflexion des eigenen Verhaltens und dessen Wirkung auf das Kind (Vorbildfunktion)

PFLEGERISCHE UND HAUSWIRTSCHAFTLICHE AUFGABEN

  • Regelmäßige Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs
  • Erste Hilfe bei Verletzungen leisten und diese an Eltern, KollegInnen weiterleiten
  • Gesundheitszustand der Kinder beachten und ggf. Eltern informiere
  • Sorge für regelmäßiges Essen und Trinken der Kinder
  • Pflegerische Betreuung und Begleitung der Sauberkeitsentwicklung der Kinder (Windeln, Toilettenbegleitung, Hände- und Mund waschen, Zähneputzen)
  • Erhaltung und Pflege des Inventars und Spielmaterialien und Verantwortung für Ordnung und Sauberkeit in den Räumen und im Kita-Garten
  • Sorge für Hygienekontrollen
  • Vor- und Nachbereitung des Essbereichs
  • Mitverantwortung für Sauberkeit, Ordnung der Kinderkleidung
  • Regelmäßige Kontrollen der Kleidung und Pflegeartikel der Kinder und Informationspflicht an die Eltern, falls etwas fehlt

Neben den genannten Aufgaben kommen auch der ZUSAMMENARBEIT IM PÄDAGOGISCHEN TEAM mit den Fortbildungen, Teamsitzungen, internen Supervisionen ein hoher Stellenwert zu, ebenso wie der ZUSAMMENARBEIT MIT DEN ELTERN.

Kinder, besonders die Kleineren, glauben häufig, dass die ErzieherInnen im Kindergarten wohnen. Gern fragen sie, wenn diese vor dem Kind geht: „Gehst du jetzt arbeiten?“. Dieses Bild löst in mir etwas wohliges und warmes aus. Kinder, die sich womöglich selbst wie Zuhause fühlen und die Kita als einen wertvollen Ort ansehen.

Lernen braucht Geborgenheit, Sicherheit, Zeit und Ruhe

Wie wir wissen, findet Lernen auch nur dann statt, wenn wir uns als Gemeinschaft wohl und sicher fühlen. Damit dies durch Erfolg gekrönt ist, benötigen pädagogische Fachkräfte zur Erfüllung all dieser Aufgaben (und sicher sind etliche nicht aufgeführt) einen sicheren Rahmen, geeignete Rahmenbedingungen und vor allem Zeit zum Vor- und Nachbereitung. Kinder wollen in der Regel unsere volle Aufmerksamkeit und Präsenz und mal schnell nebenher eine Beobachtung, ein Gespräch oder Projekt vorbereiten, mündet zwangsläufig in Stress, der sich negativ auf die PädagogIn und die Kinder auswirken.

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