Blog

Der Wille meines Kindes

Kathrin · 3 Min. Lesezeit
Der Wille meines Kindes

Denke ich darüber nach, wie ich meine Kinder in das Leben begleiten möchte und was ich mir für beide wünsche – so sollen sie selbstbestimmte, selbstbewusste, starke kleine Persönlichkeiten sein. Menschen, die ihre Meinung umsichtig äußern und Gehör finden. Kinder, die sich an allen Tagen, egal ob Regen oder Sonnenschein geliebt und wertvoll fühlen. Ja, sie sollen sich so viel wert fühlen wie ihre Freunde, ihre Lehrer, wie Elsa und Spiderman. Dieses Gefühl möchte ich ihnen geben und sie ernst nehmen so gut ich kann.

Dann gibt es diese Tage, an denen ich müde, kaputt, abgeschlagen bin und selbst den Tag über gekämpft und mich zusammen gerissen habe. Tage, an denen mir Dinge nicht so leicht von der Hand gehen und meine Gefühle selbst im Dreieck springen. In dieser Stimmung hole ich mein Kind von der Betreuung ab, den verbleibenden Tag bestmöglich geplant, damit wenig Spielraum für Überraschungen bleiben. Erschöpft brechen wir zur Nachmittagsaktivität auf, sie äußert, dass sie eigentlich keine Lust hat. Mit der Erfahrung, dass sich dieses Gefühl beim Ankommen öfter legt, setze ich den Weg fort und spreche über Kompromisse, Gefühle und Bedürfnisse von uns beiden.

Angekommen ändert sich ihr „Ich will nicht!“ nicht. Wir sprechen gemeinsam mit dem Lehrer, der überzeugt davon ist, dass ich sie dalassen soll, denn sonst wird sie auch die nächsten Male nicht wollen. „Gib sie mir!“, sagt er. Ein Gedanken- und Gefühlskarussel setzt ein. Und ich erinnere mich in Blitzsekunden daran, was ich mir für meine Kinder wünsche.

Sie soll sich sicher, ernstgenommen fühlen und mir vertrauen. ZACK! Ich sehe den Lehrer, der mich eindringlich und etwas fraglich ansieht. So, als sei es meine Schuld, wenn sie es ablehnt und ich verantwortlich dafür sei, wenn sie auch zukünftig nicht möchte.

Die Anmeldung zum Kurs, das bezahlte Geld und die gepackte Tasche sprechen für ihn, aber die klare Körpersprache meines Kindes für sie und uns. Ich drehe mich um, sie in meinem Arm.

Hand in Hand gehen wir aus dem Raum und die Treppe hinunter. Langsam, aber klar. Wir gehen auf die Straße und radeln davon. Gemeinsam nehmen wir eine kleine Auszeit und trinken eine Brause in einem Café. Wir tanken Kraft für den Abend und ich blicke ihr in die Augen und spüre, dass es die richtige Entscheidung war. Ihr und ihrem Gefühl zu vertrauen. Was sich dahinter verbirgt, weiß ich noch nicht. Aber das ist im Moment nicht wichtig.

Ich wünsche, dass wenn sie älter ist, sie ähnlich selbstbestimmt handelt und auf ihr Gefühl hört. Wenn ich mich manchmal frage, wie ich sie vor Übergriffen, Drogen oder Ähnlichem schützen kann, so hoffe ich, dass solche Momente den Grundstein legen. Sie auch in diesen Momenten inne hält und sich traut bei Freunden, auf Partys „Nein!“ zu sagen und auf ihr Gefühl vertraut! Bei mir kann sie es üben, in Vertrauen Hand in Hand.

Wie hat dir dieser Beitrag gefallen? Bitte bewerte diesen Artikel zum Abschluss
[Bewertungen: 0 Bewertung: 0]
Über die Autorin

Kathrin

Kindheitspädagogin, Autorin und Podcasterin. Hier teile ich, wie ein respektvolles, bedürfnisorientiertes Miteinander mit Kindern gelingt.

Mehr über mich

Bleib in Verbindung

Neue Impulse direkt in dein Postfach

Bleib in Verbindung — mit Impulsen, die dich im Alltag stärken. Ein Brief, der dir das Gefühl gibt, nicht allein zu sein. 💌

Kein Spam, jederzeit abbestellbar. Mit der Anmeldung stimmst du der Datenschutzerklärung zu.