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Eingewöhnung in die Kita

Kathrin · 11 Min. Lesezeit
Eingewöhnung in die Kita

Vor kurzem wurde ich gefragt, ob es normal sei, dass ein Kind in der Eingewöhnung weine. Es wurde geschildert, dass es zu Beginn wenig weinte und nun nach fast zwei Wochen verstärkt. Eingewöhnt wird nach dem „Berliner Eingewöhnungsmodell“. Ich möchte das Modell kurz erläutern und einige Erfahrungen schildern.

Das Berliner Eingewöhnungsmodell

Vor der Eingewöhnung

Bei dem Berliner Modell lernen sich bei Parteien, Kita mit ggf. Leitung und zukünftiger BezugspädagogIn und die Familie (in der Regel das Kind und die Eltern) in Ruhe in den Kita-Räumen kennen. Es können gegenseitige Fragen, Sorgen und Ängste geklärt werden. Grundlage kann ein Buch sein, in Berlin nutzt man dazu den Eingangsfragebogen des Sprachlerntagebuches. Das ist eine Idee und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Sinn ist es, das eine Basis vor Beginn der Eingewöhnung geschaffen wird. Da oft ab dem ersten Tag der Eingewöhnung weniger Zeit für solch intensive Gespräche bleibt und das Kind und der Gruppenalltag ganz im Zentrum steht.

Wer ist bei der Eingewöhnung wichtig?

Gute Eingewöhnung zielt darauf ab, dass tragfähige Beziehungen zwischen Eltern, Kind und PädagogIn entstehen. Bei der Eingewöhnung sind Eltern, Kind und PädagogIn gleichermaßen wichtig. Eltern und PädagogIn sind Partner in der Entwicklungsbegleitung des Kindes. Die Bindung des Kindes zu den Eltern wird durch die Betreuung im Kindergarten nicht geschwächt. Grundsätzlich ist es ratsam, die Eingewöhnung mit einer Bezugsperson durchzuführen.

Foto: pixabay
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Wie läuft die Eingewöhnung in der Regel ab?

Der Zeitraum der Eingewöhnung wird durch die individuellen Bedürfnisse von dem begleitenden Elternteil und dem Kind bestimmt. Bis ein Kind komplett eingewöhnt ist, dauert dies bis zu 6 Wochen.

Die Grundphase

Die Grundphase dauert 3 Tage, in diesen Tagen bleibt das Kind mit dem begleitenden Elternteil 1 bis 2 Stunden täglich. Sie ist die sichere Basis für das Kind und unterstützt den Kontaktaufbau zur BezugspädagogIn. Für das Kind ist es wichtig, in dieser Zeit der ersten Kontaktaufnahme zur neuen Umgebung durchgängig die Sicherheit zu haben, bei Vater oder Mutter Zuflucht zur Unterstützung suchen zu können und die schwierige Situation nicht allein meistern zu müssen. In diesen Tagen erlangt das Kind eine gewisse Vertrautheit mit der neuen Umgebung, mit der bislang noch fremden PädagogIn und den anderen Kindern.“ (Laewen, Hedervari-Heller, 2011, S. 63).

Die Rolle des begleitenden Elternteils

Während der Zeit in der Kita ziehen sich Eltern zurück und verhalten sich passiv. Auf Annäherungen vom Kind oder auch Blickkontakte ist es wichtig positiv zu reagieren, aber selbst keine Initiative zur Kontaktaufnahme ergreifen. Man ist in dieser Situation wie ein teilnehmender Beobachter, der seinem Kind aufmerksam gegenüber ist. Die Kinder erkunden aktiv ihre Umgebung, dies ist die Grundlage des Eingewöhnungsprozesses.

Kinder sollten von den Eltern nicht gedrängt werden, sich von ihnen zu entfernen „(…) vor allem dann, wenn das Kind aktiv Körperkontakt zu ihnen sucht, sollten sie es nicht zurückweisen oder den Versuch machen, den Körperkontakt von sich aus zu beenden. Die Rolle der Eltern an sichere Basis verlangt es, die körperliche Annäherung des Kindes zu akzeptieren und die Dauer des Kontaktes völlig dem Kind zu überlassen. Die Eltern können darauf vertrauen, dass sich das Kind der Umgebung von selbst wieder zuwenden wird, wenn es sich sicher fühlt.“ (ebd., S. 64f.).

Die erste Trennung

Am vierten Tag ist normalerweise die erste Trennung geplant. Das Elternteil verabschiedet sich bewusst und geht aus dem Raum oder auch aus der Kita, auch wenn das Kind Protest anmeldet. Diese Trennung entscheidet darüber, ob die Trennungssequenzen in den nächsten Tagen erweitert werden oder ob die Bezugsperson wieder in die Einrichtung kommt und das Kind begleitet. Dies ist wichtig, wenn sich das Kind nicht beruhigen lässt oder zeigt, dass es ihm nicht gut geht. Denn nicht nur Kinder, die weinen, haben Kummer. Wie das Kind sich während der Trennung verhält, wird von den PädagogInnen beobachtet.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie aufregend diese Minuten nach der Verabschiedung sein können. Diese wirklich ernst zu nehmen und für das Kind völlig da zu sein und zur Verfügung zu stehen, ist wichtig. Im Alltag der Kita nicht immer einfach, aber für das Sicherheitsgefühl des Kindes, welches nun ohne das Elternteil bleibt, essenziell.
Es geht ja darum, dass es eine sichere Basis zu der BezugspädagogIn aufbaut, daher sollte diese möglichst verfügbar, präsent, zugewandt, feinfühlig und liebevoll dem Kind gegenüber sein! Lässt es sich nach ein paar Minuten (diese können dem Elternteil und der PädagogIn und am meisten dem Kind, welches noch kein Zeitgefühl hat) nicht trösten, ruft zur Beruhigung das Elternteil zurück. Das Vertrauen des Kindes sollte unter keinen Umständen verletzt werden.

Dass ein Kind weint, ist ein wichtiges Zeichen und dieses Gefühl muss ernst genommen werden. Es trägt einen Schmerz in sich und ähnlich wie bei einer Verletzung nach einem Fall, benötigt es Trost. Und Kinder die nicht weinen, leiden nicht unbedingt weniger.

Jedes Gefühl ist wichtig und nehmt es an, wie es ist. Nicht selten habe ich Eltern sehr erleichtert erlebt, wenn das Kind keine Träne vergießt und sich tapfer zeigt. Aber darum geht es nicht!

Es ist zu empfehlen, die Eingewöhnung zum Wochenbeginn zu starten. Beginnt diese beispielsweise am Mittwoch, ist eine Trennung am kommenden Montag, zum ersten Mal, nicht zu empfehlen. Dann dehnt sich die Grundphase entsprechend aus.

Wer hier noch Ausführlicheres über Bindung erfahren möchte, kann sich über die Bindungstheorie von Bowlby informieren.

Ist das Kind bereit, sich von der PädagogIn trösten zu lassen, so kann eine kürzere Eingewöhnungszeit vermutet werden. Falls nicht, benötigt es Stabilisierung durch ein Elternteil bzw. die Bezugsperson.

Hat das Kind ausreichend Vertrauen gefasst und nimmt die PädagogIn als sichere Basis an, so geht die Eingewöhnung in die Stabilisierungsphase über!

Aber ACHTUNG: dauert eine Eingewöhnung länger, ist das kein Problem diese als kompliziert oder schwierig zu betiteln. Es ist dann so und die Situation erfordert mehr Zeit im Sinne aller. Eingewöhnungen die zu Beginn ganz schnell aussehen, können sich auch wandeln. Und nie vergessen: Kinder, die nicht gut eingewöhnt sind, leiden ggf. später, werden häufiger krank oder haben es bei späteren Wechseln schwerer. Die Zeit, die es benötigt, ist wichtig und wertvoll!

Die Stabilisierungsphase

In der Stabilisierungsphase werden die Trennungen behutsam ausgedehnt. Wichtig sind mir immer besonders die Übergänge bei der Nahrungsaufnahme, Hygiene, das Wickeln sowie das Schlafen. Diese Schritte müssen möglichst sensibel für das Kind gestaltet werden.

So ist das erste Wickeln immer in Begleitung der PädagogIn und des Elternteils zu planen und auch zukünftig, wenn das Kind bereits etwas bleibt, können gemeinsame Hygienephasen eingebaut werden. Zudem empfehle ich immer, dass beispielsweise der erste Mittagsschlaf so gestaltet wird, dass das Elternteil zum Aufwachen kommt, bzw. bereits vorher da ist. So erwacht es und kann in diesem sensiblen Moment von dem Elternteil begleitet und angezogen, gewickelt werden – gern im Beisein der PädagogIn.

Es geht hier um Mikrotransitionen, wollt ihr darüber mehr erfahren, könnt ihr hier etwas dazu lesen.

Verlaufen diese Tage und Schritte positiv, so wird die Schlussphase eingeleitet.

Die Schlussphase

Als abgeschlossen kann eine Eingewöhnung angesehen werde, wenn das Kind eine sichere Basis zur BezugspädagogIn herstellen konnte.

Aber, viele Eingewöhnungen laufen anders!

In all den Jahren habe ich viele Eingewöhnungen durchgeführt und begleitet. Viele Eingewöhnungen starten mit ganz verschiedenen Voraussetzungen und haben mit diversen Bedingungen zu kämpfen. Ausgehend von den Rahmenbedingungen in der Kita, den Ressourcen der Eltern und auch kulturellen Gegebenheiten.

Für mich als Pädagogin ist immer besonders wichtig, dass die Eltern genau verstehen, wie wichtig eine Eingewöhnung ist. Natürlich wurde ich häufig mit der Tatsache konfrontiert, dass es Eingewöhnungen zu der Krippenzeit der Eltern auch nicht gegeben habe und sie doch auch groß geworden sind. Nach dem Motto, es ging früher ja auch oder die Sorge der Eltern, dass das Kind sich an sie gewöhnen und dann mehr weinen, als wenn sie gleich gehen würden.

Die Folgen einer fehlenden oder missglückten Eingewöhnung können aber sehr umfassend sein. Einige Kinder werden häufiger krank, andere fühlen sich nicht wohl und haben so keine Möglichkeit zum ausgeglichenen Wachsen und Lernen. Andere essen schlecht oder schlafen unruhig oder sehr wenig. Auch hier ist jedes Kind grundverschieden und jedes Kind meistert diese Phase anders.

Grundsätzlich wichtig ist dabei ist unser Wissen und der Forschungsstand, der dies umfassend belegt. An den Risiken und Folgen fehlender Eingewöhnungen gibt es nichts zu rütteln. Daher ist es mir ein Anliegen, dass pädagogische Fachkräfte und Eltern darüber aufgeklärt sind und im Sinne aller diese Zeit bestmöglich gestalten.

Sehen wir die Bedürfnisse, den Kummer, die Ängste und Sorgen und gehen mit ihnen so empathisch wie nur möglich um, bin ich sicher, dass Kindern dieser Wechsel gelingt. Mit uns, mit liebevollen und professionellen Unterstützern

Im Gegenzug gibt es bestimmt auch viele Eltern, die sich bereits umfassend über Eingewöhnungen informiert haben und auf Kitas stoßen, die ein eigenes Konzept fahren. Grundlegend wichtig ist auch hier, dass Eltern Vertrauen in die Arbeit der Kita aufbauen können. Das Berliner Eingewöhnungsmodell muss nicht immer DAS Modell sein, es gibt auch andere funktionierende Variationen. Aber die Eltern sollten Teil dessen sein, das steht fest.

Eigene Erfahrungen

Nicht immer haben Eltern 4 Wochen Zeit für eine Eingewöhnung, vielleicht bleibt dem Elternteil genau eine Woche. Trotz umfangreicher Aufklärung und Vorbesprechungen müssen Eltern und Fachkräfte manchmal mit „anderen“ Gegebenheiten umgehen. Manchmal hilft alles nichts. Meine Erfahrungen zeigen aber, dass Eltern und Fachkräfte im Gespräch gemeinsam gute Lösungen suchen und auch finden, wenn ein Austausch über die Wichtigkeit der Eingewöhnungszeit statt findet.

Das Modell sagt, die Eingewöhnung sollte nur von einer Person durchgeführt werden. Manchmal gibt es in der Eingewöhnung aber einen Wechsel in der begleitenden Bezugsperson und nach ein paar Tagen springt die Oma oder Tante ein. Es kann passieren, dass in die Eingewöhnung ein paar Urlaubs- oder Krankheitstage fallen, die sich nicht vermeiden ließen. Oder plötzlich fällt die BezugspädagogIn in der Kita aus und eine andere Kollegin muss einspringen. Auch Fachkräfte kennen diese große Verantwortung und die Intensität der Eingewöhnungsphase und schleppen sich krank zur Arbeit, was auch nicht ratsam ist. (Die Eingewöhnung zügig auf eine weitere Person auszuweiten, kann sehr hilfreich sein).

Manchmal beginnen auch erst heftige Trennungsanzeichen nach ein, zwei oder drei Wochen. Vielleicht, weil das Kind das Ausmaß der EIngewöhnung spürt oder die BezugspädagogIn mehrere Eingewöhnungen zu bewältigen hat und das Kind sie nun „teilen“ muss.

All diesen Hürden (und noch weiteren) bin ich bereits begegnet und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Eingewöhnungsphasen immer besonders intensive Zeiten sind. Es treffen Menschen mit Bedürfnissen, Druck, Sorgen, Ängsten und Erwartungen aufeinander.

Dies erfordert viel Fingerspritzengefühl, Sensibilität und Verständnis und seitens der PädagogIn eine besondere Profession. Und neben all dem benötigt es auch den Mut, Sorgen direkt anzusprechen. Es geht um eure Babys, die nun, egal ob mit 6 Monaten oder drei, vier Jahren mit anderen Personen in Kontakt treten und wir als Eltern müssen ein ganzes Stück loslassen. Das ist eine enorme Aufgabe für unsere kleinen und großen Seelen.

Habt Vertrauen, schenkt euch und euren Kindern, die Zeit, die diese Veränderung mit sich bringt und habt Verständis für die wertvolle und intensive Arbeit, die die PädagogInnen leisten.

Fühlt ihr euch unsicher, unwohl oder ähnliches, so überträgt sich das gern auf den Prozess der Eingewöhnung. Sucht das Gespräch und wendet euch vertrauensvoll an die Kita!

„Kinder brauchen Wurzeln und Flügel. Wurzeln, um zu wissen, wo sie herkommen und Flügel, um die Welt zu erkunden.“

Goethe

Habt ihr noch Fragen, Anregungen oder Ähnliches, so schreibt mir gern!

Liebe Grüße,
Eure Kathrin von Kindheit erleben


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Lass mir einen kurzen Kommentar da, wie eure Eingewöhnung lief!


Quelle:
Laewen, H., Hedervari-Heller, E., Die ersten Tage: Ein Modell zur Eingewöhnung in Krippe und Tagespflege, 7. Auflage, Berlin 2011

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Über die Autorin

Kathrin

Kindheitspädagogin, Autorin und Podcasterin. Hier teile ich, wie ein respektvolles, bedürfnisorientiertes Miteinander mit Kindern gelingt.

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