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Ich hab überreagiert – Was nun?

Von Kathrin

Luis läuft wild durch die Wohnung. Ich bitte ihn etwas ruhiger zu sein, da seine kleine Schwester schläft. Es dauerte ewig, bis sie einschlief und wenn sie nun erwacht, dann ist sie total unausgeglichen.

Ich frage Luis, ob wir etwas spielen wollen. Er hört nicht und läuft weiter. Dabei ruft er laut „Tatütata, Tatütataaaa, die Feuerwehr ist da!“.
Wieder bitte ich ihn: „Luis, bitte, deine Schwester schläft. Hör auf! Das ist zu laut.“
Er stoppt nicht. Ich fühle mich wie Luft, er reagiert einfach gar nicht und dabei ist er doch schon „groß“ und muss es doch verstehen.
„Tatütataaaa!“

Ich merke wie mir warm wird und ich innerlich unruhig werde. Es ärgert mich. Ich möchte schreien, es ärgert mich so, wenn Luis das macht. Ich verstehe es nicht!

Luis guckt mich an und läuft wieder eine Runde. Macht er das mit Absicht? Will er mich ärgern? Nein! Ich weiß er macht das nicht gegen mich. Es stört mich so!

Kürzlich packte ich ihn in einem ähnlichen Moment am Arm, es machte aber alles nur schlimmer. Ich möchte ihn verstehen, gleichzeitig möchte ich, dass er Rücksicht nimmt.. Ich werde so wütend, bin innerlich überfordert. Wenn seine Schwester nun aufwacht…

Solche Situationen haben es in sich!

Aber Gewalt, schreien, demütigen, beschämen macht alles nur schlimmer und wir verlieren den Kontakt zum Kind.

Möchtest du mehr darüber lesen, dann schau mal hier oder hier.

Was kann ich tun, wenn ich nun doch überreagiert habe?

  1. Zuerst ist es wichtig, dass du dich selbst regulierst. Ähnlich wie im Flugzeug: kümmere dich erst um dich und deine Gefühle, bevor du die des Kindes regulierst. Wir können im erregten Zustand nicht klar denken und achtsam handelt. Daher gilt immer: Selbstregulierung vor Fremdregulierung.
  2. Ich kann dann trösten und wieder achtsam den Kontakt zum Kind aufnehmen. Wahre hierbei die Grenzen des Kindes.
  3. Ich trage immer die Verantwortung für die Beziehung zwischen mir und dem Kind.
  4. Ich kann mit dem Kind über meine Gefühle sprechen, das Kind trägt keine Schuld für meine Reaktion.
    „Ich war gerade sehr gereizt und bin sehr müde. Dass ich gerade laut geworden bin, ist nicht deine Schuld. Ich kümmere mich nun um mich und trinke in Ruhe ein Glas Wasser!“
  5. Ich kann das Kind um Verzeihung bitten und meine Reaktion bedauern. Es ist wichtig, dass das Kind erfährt, dass es nie Schuld daran ist, dass es Gewalt erfahren hat. Es liegt in meiner Verantwortung meine Reaktionen zu kontrollieren.
    „Ich bedauere sehr, dass ich gerade so laut geworden bin. Du hast dich sicher sehr erschrocken. Das war nicht okay von mir. Es tut mir leid.“
  6. Manchmal sind wir mit uns sehr streng und fühlen uns „schlecht“, dass wir so überreagiert haben. Gewalt ist immer ein Grund, dass wir darüber nachdenken, was passiert ist. Wichtig ist aber auch, dass wir uns selbst in den Arm nehmen und uns fragen: „Was würde ich meiner besten Freundin nun nahe legen? Was brauche ich?“ Oft sind wir mit anderen viel großzügiger und unser größter Kritiker. Nur wenn wir auf unsere Bedürfnisse acht geben, können wir auf die des Kindes gut eingehen.
  7. Es ist anzuraten später die Situation zu reflektieren und uns einer Person anzuvertrauen. Manchmal sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht und eine andere Person kann eine große Unterstützung sein, das Kind und auch unser Verhalten besser zu verstehen.
  8. Ich kann mir die Auslöser notieren, die mich so haben reagieren lassen. Diese heftigen Gefühle haben meist einen tiefen Ursprung und es lohnt sich da etwas zu tauchen und zu ergründen, wo dieser herkommen.
  9. Kinder lösen oft Dinge in uns aus, tragen aber keinerlei Schuld.
  10. Ich überlege mir, wie ich das nächste Mal reagieren möchte!
    Welche Anzeichen gab es vor meiner Überreaktionen (aufsteigende Wärme, Herzschlag, schnelle Atmung etc.)?
    Was kann ich tun, um mich zu regulieren (atmen, Klopftechnik, singen, ein Glas Wasser trinken etc.)?
    Ich notiere mir mögliche Handlungsstrategien, damit ich für das nächste Mal gewappnet bin und auf diese zurückgreifen kann.



Was tust du, wenn du mal überreagiert hast? Lass uns daran teilhaben und teile deine Ideen in den Kommentaren!


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